Ein Tag bei der Poschtitäsche

Freiwillige HelferInnen am Werk (Foto: Salome Lohner)

Jeden Donnerstagnachmittag können Menschen aus bescheidenen finanziellen Verhältnissen bei der Poschtitäsche Lebensmittel beziehen.
Der Tag geht schon am Morgen früh los. Ein Einblick in die Arbeit von Freiwilligen, Lieferungen und Nächstenliebe.
Salome Lohner
Ab 9.00 Uhr geht es los: Die ersten Lieferwagen, zum Beispiel von der » Schweizer Tafel fahren auf den Kirchplatz. Was genau in den zahlreichen Kisten drin ist, weiss niemand vor der Ankunft der Lieferung. Diese wird dann von einem Dutzend Freiwilligen HelferInnen ausgepackt und auf den Tischen im grossen Saal verteilt. Jedes Jahr werden es mehr. Im Jahr 2021 wurden 46 Tonnen Lebensmittel an Bedürftige abgegeben. Im Jahr 2025 waren es 155. Pro Donnerstag sind das etwa 3 Tonnen.

Zahlreiche Menschen helfen mit
Mittlerweile sind es mehr als 48 Freiwillige HelferInnen, die sich für die Poschtitäsche engagieren. Mitten im Treiben ist Reto Toscan: Er hat den Überblick als freiwilliger Leiter der Poschtitäsche. Das Team sei bunt durchmischt: Von Akademikern, über Pensionierte, bis hin zu Menschen, am Rand der Gesellschaft. Alle hätten einfach Freude am Kontakt mit Menschen. Reto erzählt mit einem Lächeln im Gesicht, dass sich der Einsatzplan immer von selbst fülle. Die einen seien eher am Morgen bei der Annahme der Lebensmittel, die anderen am Nachmittag bei der Abgabe der Lebensmittel am Werk.

Diese geht ungefähr zwischen 14.00 Uhr und 15.00 Uhr los. Mit einer Kulturlegi- oder Caritaskarte darf man eine Nummer ziehen und bezahlt 2 Franken pro Einkauf. Wenn die gezogene Nummer dran ist, darf man im Saal Lebensmittel beziehen. Das Angebot ist breit: Von Gurken, über Orangensaft, Teigwaren, Müsliriegel, bis hin zu Kopfsalaten ist alles dabei. Im Voraus wird ausgerechnet, wie viele Äpfel eine Familie zum Beispiel bekommt, damit es für alle genug hat.
Hinter dem Tisch steht unter anderem Anatoli Bätscher. Während Sie Salate bereitstellt, sagt sie: "Ich bin pensioniert und habe hier eine tolle Aufgabe mit Kontakt zu Menschen. Es ist ein dankbarer Job."

Dreimal mehr Menschen kaufen pro Woche ein
Im Jahr 2021 kamen durchschnittlich 51 BezügerInnen pro Donnerstag in die Postitäsche. Im Jahr 2025 waren es rund 141, ein Zuwachs von 176 Prozent.
Die Gesamtzahl der wöchentlich versorgten Personen (inklusive Haushaltsmitglieder) stieg von 177 auf 413, ein Anstieg von 133 Prozent. Somit wurden im Jahr 2025 etwa 21'000 Personen mit Lebensmitteln durch die Poschtitäsche versorgt.
Diese dramatische Entwicklung zeigt, wie sich wirtschaftliche Krisen, Inflation und gesellschaftliche Spannungen direkt auf das Leben vieler Menschen auswirken. Für Reto Toscan ist die Poschtitäsche ein Seismograf sozialer Notlagen: "Jeder Anstieg in den Zahlen spiegelt reale Schicksale wider. Familien, die unter Druck geraten, Menschen, die ihre finanzielle Stabilität verlieren, und Haushalte, die ohne externe Unterstützung nicht mehr auskommen."

Mehr als nur Einkaufen
Während der Lebensmittelausgabe gibt es Kaffee und Getränke. Die Leute sitzen im Saal und plaudern miteinander, während die Kinder draussen spielen. Reto meint, dass die Poschtitäsche nicht nur eine Lebensmittelabgabe wäre, sondern auch ein Ort, um Kontakte zu knüpfen und zusammen ins Gespräch zu kommen. Rolf Tschannen ist fast jede Woche vor Ort. Für ihn sei die Poschtitäsche eine seelische Tankstelle: "Ich versuche, 2-3 Worte in jeder Sprache zu lernen und Liebe zu verbreiten."

Gegen 17.00 Uhr geht die Poschtitäsche langsam dem Ende zu. Die BezügerInnen laufen mit vollgepackten "Einkaufswägeli" nach Hause. Wenn es noch überzählige Lebensmittel hat, werden diese für das nächste Mal gelagert.

Damit die Poschtitäsche weiterhin vielen Menschen die Türen öffnen kann, sind wir froh um Ihre Spende:
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Evang. Kirchgemeinde Wil
Toggenburgerstrasse 50
9500 Wil

Mehr Informationen >> » Poschtitäsche
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Die Kreuzkirche ist täglich von 07.00 bis 19.00 Uhr für individuelle Besuche geöffnet.
Bereitgestellt: 07.05.2026     Besuche: 79 Monat