Sonntagsgedanken - Stecken geblieben

_MG_5083 <span class="fotografFotoText">(Foto:&nbsp;Christoph&nbsp;Casty)</span><div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>ref-wil.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>1446</div><div class='bid' style='display:none;'>10055</div><div class='usr' style='display:none;'>13</div>

In der Wilerzeitung wird jeweils am Samstag ein Gedankenanstoss von einem kirchlichen Mitarbeiter abgedruckt. Mitte Januar bin ich an der Reihe. Wer die Wiler Zeitung nicht abonniert hat, kann ihn hier nachlesen.
Christoph Casty
Letzten Samstag war unser Jüngster bei uns Zuhause. Er lebt hauptsächlich im Bewo der Stiftung Kronbühl. Er liebt es, mit dem Auto unterwegs und im Freien zu sein. Einen Rollstuhl auf verschneiten Wegen zu schieben ist aber kein einfaches Unterfangen. Wir hofften, am See gangbare Wege vorzufinden. Auf dem hartgepressten Schnee war es tatsächlich möglich. Als aber der Weg schmaler wurde, frassen sich die Räder in den Schnee ein. Da blieb nur noch der Rückwärtsgang. Man hätte sich aufregen können. Aber es war ein so fantastisch schöner Tag und wir hatten ja alle Zeit der Welt.
Währenddessen in den Städten. Massen von Menschen drängten sich durch die Gassen und standen geduldig an für ein gutes Stück aus dem Ausverkauf. Das war nicht der Sinn aber die Folge des bundesrätlich verordneten ‘shut down’s’. Die Läden mussten ihre Winterkollektion loswerden und gaben grosszügige Rabatte. Manch einer schüttelte darüber den Kopf. Wer sich aber etwas Schönes ergattern konnte, ging zufrieden nach Hause.
Bereits am frühen Morgen wurden die Skigebiete gestürmt. Länger als üblich war die Schlange vor der Talstation. Es brauchte Geduld, bis man einigermassen Corona-konform oben ankam. Dann galt es abzuwägen, mit wem man den Sessellift benutzen durfte. Am Mittag erneutes Anstehen, um sich eine Wurst mit Pommes zu holen, die man irgendwo im Stehen ass, währenddessen der im Schnee abgestellte Tee vor sich hin fror. Wehmütig kam die Erinnerung an den letzten unbeschwerten Winter zurück. Und doch postete man ein Selfie mit der traumhaften Landschaft auf Instagramm.
Mit Geduld und Humor schaffen wir es, Hindernisse zu überwinden und Unangenehmes wegzustecken. Manchen ist aber unterdessen das Lachen vergangen und bei vielen ist die Geduld schon länger überstrapaziert. Was mir jetzt am meisten hilft, ist das Urvertrauen, das Halt und Hoffnung gibt. Immer wieder summe ich die Melodie zu dem baltischen Hausspruch, der im reformierten Gesangbuch zu finden ist: Wechselnde Pfade, Schatten und Licht. Alles ist Gnade. Fürchte dich nicht. Pfr. Christoph Casty
Bereitgestellt: 22.01.2021      
aktualisiert mit kirchenweb.ch